Neulich habe ich für meine Mitarbeitenden in der Apotheke eine Kommunikationsschulung organisiert. Eine externe Apothekerin, die selbst noch in einer Apotheke tätig ist, kam dafür als Coach zu uns. Natürlich ist es wichtig sach- und arbeitsbezogen zu schulen, Arbeitsabläufe zu analysieren und Optimierungen zu diskutieren. Doch ich dachte mir, dass es sich lohnt einen Schritt weiter zurück zu gehen. Wir kommunizieren ständig und immer, selbst wenn wir nichts sagen, sprechen wir mit unseren Augen und drücken uns über unsere Körperhaltung aus.
Warum sind gerade in Ausbildung, Studium und im Arbeitsleben Schulungen zur Kommunikation rar? Es beginnt mit dem aktiven Zuhören. Ist es mir möglich all die Informationen, das Gesagte und Ungesagte richtig einzuordnen? Widme ich dem Redenden meine volle Aufmerksamkeit, bin ich abgelenkt oder schon bereit mit meinen Anliegen, Fragen, Informationen, Argumenten loszulegen.
Habe ich die Botschaft wirklich verstanden, wie sie gemeint war oder interpretiere ich bereits. Denn eine Botschaft kann sachlich gemeint sein, mit einem Appell verbunden, eine Aussage zur Beziehung der Sprechenden treffen oder eine Aussage über den Sprechenden selbst beinhalten. Kommunikation misslingt, wenn nicht mit dem selben Ohr gehört und verstanden wird. Botschaften können falsch aufgefasst zu Missverständnissen führen, starke Gefühle wie Wut auslösen und den Drang sich zu rechtfertigen. Dass spielt nicht nur im direkten Gespräch eine Rolle, genauso ist es bei Telefonaten, in Whats-App Chatverläufen und -Gruppen und in Social Media.
Hören wir einander wirklich noch zu? Sprechen wir respektvoll, wertschätzend und offen miteinander oder lassen wir den anderen nicht mehr ausreden, versuchen uns selbst in den Vordergrund zu stellen, schenken wir guten Argumenten wirklich noch Beachtung? Nehmen wir uns Zeit für Gespräche, ehrliche Rückmeldungen oder staut es sich in uns auf und entlädt sich unter Kollegen, auf der Straße, in Geschäften, online in Empörungswellen und -debatten?
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani* beschreibt es als ein Zerbrechen des Grundvertrauens in unserer Gesellschaft beginnend mit der Finanzkrise, der Flüchtlingskrise, der Coronapandemie und dem Ukrainekrieg. Seine Beobachtung ist, dass die Zeit immer kürzer wird, in der ein Grundvertrauen in diesen Krisen herrschte. Es ist eine gesellschaftliche Übereinkunft darüber, dass ein bestimmter Weg eingeschlagen und beschritten werden muss. Bevor dann die Zerschlagung durch Stimmungsmacher, Miesepeter, Radikale in Politik, Medien und in den „sozialen“ Netzwerken erfolgt.
Mir macht es Mut und Hoffnung, dass sich viele Gedanken machen und neue Wege gehen. Der Schlüssel liegt in einer guten Kommunikation. Im Zuhören, im Verstehen, im Nachhaken, wie etwas gemeint ist, im Feedback geben. Raffen wir uns auf, schalten wir unsere Handys, Fernseher, Tablets bewusst aus und reden wir wieder mehr miteinander.
Ein guter Vorsatz für die Advents- und Weihnachtszeit, der jetzt geübt und praktiziert auch im neuen Jahr tragen kann. In diesem Sinne wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes kommendes Jahr 2026.
